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Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille 2001 an Miriam Makeb

Die südafrikanische Sängerin und Menschenrechtlerin Miriam Makeba wurde am 17. Dezember 2001 in Berlin mit der Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Lv. Berlin-Brandenburg (DGVN), ausgezeichnet. Als erste Frau und gleichzeitig erste Vertreterin des afrikanischen Kontinents erhielt sie die Medaille für ihr beeindruckendes weltweites und konstantes Engagement für Frieden und Völkerverständigung.

Zum Festakt im Haus der Kulturen der Welt begrüßte die Vorsitzende des Lv. Berlin-Brandenburg der DGVN, Dr. Christine Kalb, rund 700 Gäste. Überreicht wurde die Otto-Hahn-Friedensmedaille vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Die Moderatorin Sabine Christiansen ließ in ihrer Laudatio das ereignisreiche, oftmals schwere und engagierte Leben der Miriam Makeba Revue passieren.

Weltweit wird Miriam Makeba liebevoll „Mama Africa“ genannt – und das zurecht. Jahrzehntelang setzte sie sich gegen Rassismus und Rassentrennung in ihrer Heimat Südafrika ein. Mit ihren Liedern hat sie mehr für den afrikanischen Kontinent getan als so manche Regierung. Niemand zeigte der Welt deutlicher, welche Ungerechtigkeiten den afrikanischen Kontinent quälten. Auch nach dem Ende der Apartheid gibt die „Stimme Afrikas“ den Menschen in ihrer Heimat mit ihrem Engagement und ihren Liedern Mut zum aufrechten Gang. Ein Einsatz, der sie zu einem Symbol und Leitbild für Menschenrechte, Menschenwürde und Toleranz nicht nur in Afrika werden ließ.

"Hoffnung, Entschlossenheit und Gesang". Mit diesen drei Gaben sei sie auf die Welt gekommen, sagt Miriam Makeba, die am 4.März 1932 in Johannesburg geboren wurde. Mit nicht viel mehr im Gepäck hat die junge schwarze Frau aus dem Township die Welt erobert.

Das Leben von Miriam Makeba ist geprägt von Erfolgen und Schicksalsschlägen. Die Jugend im Township ist hart. Doch fällt sie früh durch ihre facettenreiche Stimme auf. Ihre Karriere als Sängerin beginnt sie 1952 mit den „Manhatten Brothers“, damals eine der bekanntesten Gruppen Südafrikas. 1959 erobert sie die Herzen der Menschen am Kap mit ihrer Hauptrolle in der schwarzen Jazz-Oper "King Kong", das den Rassismus kritisiert. Im gleichen Jahr feiert die 27-jährige einen internationalen Erfolg mit dem preisgekrönten Anti-Apartheid-Dokumentarfilm "Come back Africa", der die elende Lage der Schwarzen in den Homelands anprangert. Daraufhin erhält die junge südafrikanische Künstlerin Einladungen nach Europa und Amerika. Sie erhält als erste schwarze Künstlerin den Grammy. Sie singt als einzige Ausländerin zu John F. Kennedys Geburtstagsparty. Sie tritt auf vor dem Papst, Francois Mitterand und Fidel Castro. Sie ist die erste Diva der Weltmusik – lange bevor es Weltmusik überhaupt gibt. Vom Erfolg zwar überrascht aber nicht überwältigt, setzt Miriam Makeba deutliche Zeichen einer selbstbewussten Afrikanerin. Sie bleibt sich selbst treu: auch als Star trägt sie wenig Make-up, glättet ihr krauses Haar nicht und kleidet sich afrikanisch. Mit ihrem Gesang hält sie das Gewissen der Welt wach. Die explosive musikalische Botschaft ihres Welterfolgs „Pata, Pata“ von 1967 wurde in den südafrikanischen Townships trotz Verbots begeistert aufgenommen. Die tanzbare Hymne der Völkerverständigung verhalf ihr auch in Europa und Amerika zum Durchbruch.

Ihr Erfolg wird der Künstlerin jedoch nicht überall vergönnt. 1960 wird ihr die Rückreise in ihre Heimat Südafrika verweigert. Die Menschenrechtlerin wird ausge­bürgert. Die langen Jahre des Exils beginnen. Auch die USA muss Makeba wegen ihrer Heirat mit einem „Black Panther“ verlassen und nach Guinea flüchten. Wie so oft lässt sich Miriam Makeba nicht unterkriegen und begreift den Schicksalsschlag als Inspiration zur Suche nach Verbesserungen.

Als Weltbürgerin wird Miriam Makeba zur Botschafterin des schwarzen Kontinents und setzt sich öffentlich für ihr Land ein. Sie wählt die Vereinten Nationen zu ihrem Forum, um der Welt über die Gräueltaten in ihrer Heimat zu berichten. 1963 und noch einmal 1975 spricht sie vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen über den Horror der Apartheid und plädiert für harte Sanktionen gegen ihr Heimatland.

Miriam Makeba hat sich dabei selbst nie als politischen Menschen definiert, sagt bescheiden von sich, dass sie "nur hin und wieder die Wahrheit gesagt" habe. Und doch wurde sie zu einer der wichtigsten politischen Persönlichkeiten des modernen Afrika und Integrationsfigur des schwarzen Kontinents.

Seit der Befreiung Nelson Mandelas 1990 und vor allem seit dem Ende der Apartheid 1994 hat sich vieles geändert in Südafrika. Auch für Miriam Makeba. Nach 31 Jahren im Exil holte Nelson Mandela die Grande Dame Afrikas persönlich nach Südafrika zurück. Mit Tat und Gesang kämpft sie gegen das Vergessen, aber für die Vergebung in ihrem Heimatland. „Masakhane“ heißt ein Lied auf ihrer letzten CD „Homeland“. "Masakhane" bedeutet so viel wie "Du hilfst mir, ich helfe Dir, zu­sammen bauen wir etwas auf". Ein Zeichen für einen gemeinsamen Neuanfang in Südafrika. Sie hat es der FAO gewidmet, für die sie seit 1999 Botschafterin ist und sich für humanitäre Zwecke einsetzt. Die heute über Siebzigjährige – seit einem Jahrzehnt wieder in ihrer Heimat - ist aktiver denn je. Unermüdlich und mit unver­gleichlichem Charme macht sie die Welt auf Ungerechtigkeiten und Probleme in Afrika aufmerksam. Als vorrangige Aufgaben nennt sie den Kampf gegen Aids und die Armut, soziale Gerechtigkeit, Verbesserung des Schul- und Ausbildungswesens und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Beispielhaft setzt sie sich für die Rechte von Frauen und Mädchen in ihrem Land ein, sowie für Anti-Drogen und Anti-Aids-Kampagnen.

Durch ihr Engagement wurde Miriam Makeba schon zu Lebzeiten zu einer Legende. Die Sängerin, Liederschreiberin, politische Aktivistin. UN-Botschafterin, Schau­spielerin, Autorin und Ur-Großmutter ist Trägerin zahlreicher nationaler und inter­nationaler Preise sowie „Ambassador of Good Will“ von Südafrika.

Die Otto-Hahn-Friedensmedaille nahm Miriam Makeba sichtlich gerührt in Berlin entgegen. Ich schwebe in der Luft, der Preis bedeutet alles für mich, sagte Makeba. Ihr außergewöhnliches Engagement wurde mit langanhaltenden „standing ovations“ seitens des Publikums gefeiert. Ihren tiefen Dank für die Ehrung ausdrücken wollte die Sängerin schließlich am liebsten mit dem, was sie nach ihren eigenen Worten „am besten kann“: Mit ihrer atemberaubenden Stimme, die den gesamten Saal ausfüllte, sang „Mama Afrika“ einige ihrer berühmten Songs. Ihrem Charisma und ihrer Stimme, die bis heute nichts von ihrer Kraft eingebüßt hat, konnte sich kaum jemand bei der Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille entziehen.



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