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Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille 1995 an Hans Koschnik

Hans Koschnik wurde am 17. Dezember 1995 in Berlin mit der Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Landesverband Berlin-Brandenburg (DGVN), ausgezeichnet. Der EU-Administrator und Verwalter der bosnischen Stadt Mostar erhielt die Medaille für seine herausragenden Verdienste um Frieden und Völkerverständigung, insbesondere für seinen humanitären Einsatz in Bosnien-Herzegowina, der beispielhaft zeigt, wie persönliche Verantwortung für den Friedensauftrag der Vereinten Nationen wahrgenommen werden kann. Die Medaille wurde zum fünften Mal verliehen.

Die Vorsitzende des Lv. Berlin-Brandenburg der DGVN, Elke Schramm, würdigte anläßlich des Festaktes in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Hans Koschniks tatkräftiges Engagement frei nach dem Motto „Redet nicht, tut was!“. Koschnik zeige nicht nur Perspektiven für die Zukunft auf, sondern setze sie auch im Hier und Jetzt um. Übergeben wurde die Otto-Hahn-Friedensmedaille vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, der Hans Koschnik als einen Mann ehrte „der wie kein zweiter in unseren Tagen ein Zeichen gesetzt hat, wie im Krieg mit großem Engagement, mit persönlichem Mut, mit manchmal unglaublicher, engelhafter Geduld, Zeichen für das Zusammenführen von Menschen gesetzt worden sind“. In ihrer Ansprache würdigte Prof. Dr. Rita Süßmuth, Präsidentin des Deutschen Bundestags, Hans Koschnik als einen Hoffnungsträger für viele, dem es gelungen sei, ein Zeichen von Zivilcourage, von Hoffnung und Neuanfang zu setzen. Die Laudatio hielt Hans van den Broek, EU-Kommißar für Außen- und Sicherheitspolitik.

Hans Koschnik wurde am 2.April 1929 in Bremen geboren. Der ehemalige Bremer Bürgermeister und SPD-Abgeordnete verbindet umfaßende kommunalpolitische Erfahrung mit außenpolitischem Gespür. Er setzte sich jahrelang – unter anderem als Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag - für die Außöhnung von Polen und Deutschen ein, ein Engagement, für das ihn die Stadt Danzig 1994 mit der Berufung zum Ehrenbürger ehrte.

Als EU-Administrator betreute Hans Koschnik seit dem 23.Juli 1994 den Wiederaufbau der Verwaltung und Infrastruktur des kriegszerstörten Mostar.

Im „memorandum of understanding“ vom 18. März 1994 erteilten die bosnischen und kroatischen Kriegsparteien der EU-Administration das Mandat für den Aufbau einer gemeinsamen Verwaltung. In diesem Memorandum kommt Mostar als Herz der bosnisch-kroatischen Föderation eine Schlüßelrolle für die Außöhnung der gesamten Föderation zu. Zudem steht Mostar für einen Beitrag zu einer zivilen Sicherheitspolitik, die nicht in erster Linie auf militärische oder diplomatische Mittel, sondern auf Instrumente der wirtschaftlichen und technischen Zusammenarbeit setzt.



Aufgabe des EU-Verwalters Hans Koschnik und seiner Mitarbeiter ist die Wiedervereinigung der Stadt unter Wahrung der Rechte und bei demokratischer Beteiligung all ihrer Bürger sowie die Herstellung eines Klimas, welches die Verständigung über die Wiedereinrichtung einer einheitlichen multiethischen Stadtverwaltung erlaubt. Inbegriffen sind dabei die Abhaltung freier Wahlen, der Schutz der Menschenrechte, die Schaffung der Voraußetzungen für die Rückkehr von vertriebenen Bewohnern und die Sicherung der nationalen, religiösen und kulturellen Identität aller Einwohner im Rahmen der Verfaßung der Föderation.

Die Wiedervereinigung Mostars und die Zusammenführung von Menschen und Bevölkerungsgruppen, die kurze Zeit vorher noch erbittert gegeneinander gekämpft hatten, betrachtete Hans Koschnik nie nur als seinen dienstlichen Auftrag, sondern immer auch als sein persönliches Ziel. Seine Bereitschaft und Begabung zu Verständigung und Versöhnung hat er immer wieder unter Beweis gestellt. Koschnik folgt dabei der Politik der kleinen Schritte, appelliert an die Vernunft aller Seiten und motiviert die Bewohner der Stadt durch Hilfe zur Selbsthilfe, den Wiederaufbau selbst in die Hand zu nehmen.

Sein persönliches Engagement gegen Mißtrauen und Vorurteil und für das Aufeinanderzugehen ist beispielhaft. Koschnik hat den Kontakt zu den Einwohnern Mostars gesucht und gefunden. Er zeigt Präsenz auf den Straßen der Stadt, hört sich die Anliegen der Menschen an, verspricht Abhilfe zu schaffen, wo dies möglich ist. Durch derartige Präsenz konnte er nachhaltig das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen. Den Kräften, denen nicht an einer friedlichen Beilegung des Konfliktes gelegen war, machte er sich dadurch zum Ziel. Bereits vor dem Amtsantritt Koschniks hatte es Hinweise darauf gegeben, daß bestimmte Gruppen im West-Mostar dem EU-Administrator nach dem Leben trachten könnten. Am 13.September 1994 zerstörte eine von West-Mostar aus abgefeuerte Granate das Hotelzimmer Hans Koschnicks, in welchem er sich glücklicherweise gerade nicht aufhielt. Hans Koschnik gab jeoch auch angesichts der Bedrohung seines eigenen Lebens nie auf. Er war immer der Meinung, man dürfe sich von solchen Drohungen nicht einschüchtern laßen.

In seinem Festvortrag dankte Hans Koschnik seinen zahlreichen Mitarbeitern in Mostar, die gemeinsam mit ihm an der Wiedervereinigung Mostars arbeiteten und betonte darüber hinaus die besondere Ehre, die ihm durch die Verleihung einer Medaille zukommt, welche mit dem Leben und Werk des von ihm verehrten Otto Hahn verbunden ist.



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