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Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille 1999 an Gerd Ruge

Der Rundfunk-, Fernseh- und Zeitungsjournalist und Autor mehrerer Bücher, Gerd Ruge, wurde am 17. Dezember 1999 in Berlin mit der Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Lv. Berlin-Brandenburg (DGVN), ausgezeichnet. Als erster Journalist erhielt er die Medaille für seine herausragenden Verdienste um Frieden und Völkerverständigung. Die Medaille wurde bereits zum siebten Mal verliehen.

Zum Festakt im Roten Rathaus würdigte die Vorsitzende des Lv. Berlin-Brandenburg der DGVN, Dr. Christine Kalb, Gerd Ruge als Friedenßtifter „durch die Mittel der objektiven Information.“ Übergeben wurde die Otto-Hahn-Friedensmedaille vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen. Er würdigte Ruges „unaufgeregte und sachliche Berichterstattung im Spannungsfeld der Ideologien.“ Gerd Ruge habe als Korrespondent das Verständnis für China, die Sowjetunion und Rußland erweitert und so einen beispielhaften Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. „Die Zuschauer waren sicher: Der ist seriös“, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse in seiner Ansprache. Profeßor Dr. Karl Schlögel von der Universität Viadrina in Frankfurt hielt die Laudatio.

Mit hohem arbeitszeitlichem und persönlichem Einsatz berichtete der am 9. August 1928 in Hamburg geborene Gerd Ruge jahrelang aus Ländern, in denen die Preßefreiheit nicht geachtet wurde oder Zensur herrschte. 1956 ging er als Auslandskorrespondent nach Moskau und schaffte es trotz dortiger Reßentiments gegenüber Deutschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit, den Deutschen das „unbekannte Land“ Rußland näher zu bringen. Während seiner Zeit in Washington berichtete er auch von der anderen Seite des Kalten Krieges. Nach seiner Korrespondententätigkeit in Peking und der Leitung von politischen Sendungen wie „Monitor“ und „Weltspiegel“ in Deutschland ging er von 1987 bis 1993 noch einmal als Leiter des ARD-Studios nach Moskau. Als UNO-Kriegsberichterstatter brachte Ruge den Menschen das Engagement der Vereinten Nationen in Indochina, hier insbesondere Kambodscha, näher. Als Berichterstatter aus Washington und New York war er in den Headquarter der Vereinten Nationen akkreditiert. Ruge war stets dort, wo Politik entscheidend fortgeschritten ist oder sich gewendet hat. Durch bewegende Reportagen und präzise Interviews, profunde Analysen und seine prägnante Gewichtung der politischen Ereigniße ist es ihm gelungen, öffentliche Debatten mitzuprägen.

Ein dauerhafter Friede, der mehr ist als nur die Abwesenheit von Krieg, ist nur möglich, wenn die Völker jenseits eines machtpolitischen und ökonomischen Kalküls ihrer Regierungen einander verstehen lernen. Dazu hat Gerd Ruge einen wichtigen Beitrag geleistet. Seine Berichterstattung ist detailliert und genau - ohne dabei den Blick für den Gesamtzusammenhang zu verlieren. Bei aller Wichtigkeit der Politik hat er die Sorgen der kleinen Leute nicht vergeßen. Er stellt die Helden des täglichen Lebens in den Mittelpunkt, die unter ganz anderen Lebensumständen und Traditionen in ihrem scheinbar fremden, kleinen Alltag so etwas wie Größe haben können. Die Personen, die bei ihm vorkommen, sind nie anonym, sondern haben ein Gesicht. Er läßt Menschen aus anderen Ländern zu den Menschen in seinem Land sprechen, nimmt sich selbst dabei zurück. Auf diese Weise gelingt es ihm, Brücken zu schlagen.

Über sein Selbstverständnis als Journalist sagt Gerd Ruge: „Die Verständigung unter Völkern und Menschen zu fördern ist die Folge guter und verantwortungsbewußter journalistischer Arbeit, die wirklich vermittelt, ohne pädagogisch gemeinte Zuspitzung oder Verharmlosung.“ Gerd Ruge steht für Glaubwürdigkeit. Seiner Arbeit merkt man an, daß er nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen voll bei der Sache ist und sein Gegenüber aufrichtig ernst nimmt.

Angesichts der Anerkennung seiner journalistischen Tätigkeit durch die Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille bekennt der als uneitel bekannte Journalist bescheiden: „Natürlich habe ich mich sehr gefreut, man steht plötzlich in einer Reihe mit Leuten wie Gorbatschow oder Simon Wiesenthal. Leuten also, die in einer anderen Liga spielen. Und es freut mich, daß ich über die Jahre wohl doch den Eindruck erweckt habe, daß man mit journalistischen Mitteln etwas erreichen kann.“



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